Buch-Vorstellung: Tiaka, der Werwolf

Martin Wolfgang Dierolf: Tiaka, der Werwolf
ISBN: 3-8280-0538-1
Seiten: 143
erschienen: 1998

Zum Inhalt:
Der Werwolf Tiaka befindet sich auf dem Rückweg von einem Besuch bei seinem Werfuchs-Freund Crayss. Bei einer Rast wird er von einem Menschen überraschend angegriffen und tötet ihn im Kampf. Daraufhin muss Tiaka vor weiteren Menschen fliehen. Auf der Reise zu seinem Rudel gerät er allerdings in eine Falle und wird von den beiden Fallenstellern bewusstlos geschlagen.

An dieser Stelle greift Einauge ein, der mit dem jüngeren Wolf Inaka ebenfalls auf einer Reise ist. Einauge tötet die beiden Fallensteller und befreit den verletzten Tiaka. Die zwei beschließen, Tiaka zu seinem Rudel zu begleiten.
Auf dem Weg dorthin entwickelt sich zwischen den drei ungleichen Wölfen eine Freundschaft und der Jungwolf Inaka entdeckt seine erwachsene und verantwortungsvolle Seite.

Ein paralleler Handlungsstrang beschreibt, wie Retal, der Vater des getöteten Menschen, seinen Rachefeldzug plant.

Der Empfang bei Tiakas Rudel ist frostig, aber Tiaka hat sich sehr nach seiner Schwester Cyrra gesehnt, mit der er eine (vermeintlich) heimliche Beziehung führt. Der überhebliche und herrische Leitwolf Skara schickt Tiaka mit seinen beiden Freunden am nächsten Tag wieder weg, da er zuerst die Lebens-Schuld, welche durch die Lebens-Rettung entstand, einlösen soll. Erst danach darf er wieder zurückkehren.

Die drei Werwölfe ziehen los und nehmen Abschied von Cyrra.

Der Empfang beim Rudel von Einauge und Inaka ist sehr viel herzlicher. Es stellt sich heraus, das Inaka der Sohn des Leitwolfes ist. Nach einem ausführlichen (aber nur am Rande erwähnten) Vater-Sohn-Gespräch verkündet der Leitwolf, dass Inaka als sein Stellvertreter zu einer weiteren Reise zum einberufenen Werwesen-Rat aufbrechen wird. Einauge, Tiaka und 3 weitere Werwölfe sollen ihn dabei begleiten.

Inaka wird auf der Reise zum Rat im Kampf mit Menschen verletzt, tötet aber selber zwei Menschen, was ihm zum erwachsenen Wolf macht.

Cyrra folgt ihrem Bruder kurz nach seiner Abreise und dabei wird sie von Retal und drei menschlichen Unterstützern überfallen, gefangen genommen und gefoltert. Der ebenfalls zum Rat geladene Skara befreit sie mit seinen Begleitern und nimmt Cyrra und Retal zum Rat mit.

Während der Rat tagt, kommt es zum Kampf zwischen Skara und Tiaka. Skara ist nur leicht verletzt und setzt sich gegenüber dem schwächeren Tiaka durch, der deutlich stärker verletzt ist. Danach fädelt Skara einen Kampf zwischen dem Mensch Retal und Tiaka ein. Der Kampf wird, kurz bevor der Mensch Retal Tiaka tötet, durch Einauge unterbrochen. Einauge fordert Skara zum Kampf heraus und gewinnt ihn auch.
Einauge ist somit nun der Leitwolfs von Skara bzw. Tiakas Rudel und degradiert Skara – anstatt ihn aus dem Rudel auszuschließen.

Nachdem die Werwölfe ihre Differenzen geklärt haben, kann der Rat den Beschluß fassen, dass die Werwesen sich gegenseitig über die Menschen informieren und sich zu regelmäßigen Sitzungen treffen.

Einauge kehrt als neuer Leitwolf mit Tiaka, Cyrra und dem degradiertem Skara zu deren Rudel zurück und Inaka geht ebenfalls wieder zu seinem Rudel.

Meine Meinung:
Keine Ahnung, warum das ein Buch über Werwölfe sein soll – dort wird keine der für Werwölfe (angeblich) typischen übernatürlichen Verhaltensweisen geschildert. Menschlich sprechen können sie scheinbar auch nicht und mit anderen Werwesen ist eine Verständigung scheinbar auch schwierig, Heilungs-Fähigkeiten scheinen auch nicht vorhanden zu sein.

Die Werwölfe werden nur in ihrer Tier-Form geschildert, eine andere scheint der Autor nicht für sie vorgesehen zu haben – was für mich das Hauptsächliche an einem Werwolf wäre. Im Lexikon wird allerdings ihre Größe und der aufrechte Gang erwähnt, die sie von den Tieren unterscheiden sollen – leider wird auf diese Tatsache im restlichen Buch kein wirklicher Bezug genommen.

Mir ist ebenfalls unklar, warum eine Bruder-Schwester-Liebe unbedingt nötig war. Für die Handlung hätte es völlig ausgereicht, wenn beide nicht miteinander verwandt sind. Ebenfalls sehr befremdlich finde ich es, dass diese Beziehung nur vom Wolfs-Bösewicht (Skara) als unangemessen empfunden wird, die anderen Haupt-Figuren stören sich nur zu Anfang daran und am Ende des Buches wird diese Beziehung sogar offiziell anerkannt.

Der Konflikt mit den Menschen ist permanent in der Handlung zu finden – aber nicht einmal erfährt der Leser, worin dieser Konflikt überhaupt besteht; außer dass Werwölfe und Menschen sich töten, sobald sie aufeinander treffen. Es wird häufig ein zurück liegender Krieg genannt, aber keine Gründe dafür. Auf der einen Seite ist dieser Konflikt daher seltsam farblos und etwas unglaubwürdig, auf der anderen Seite wird er durch die andauernde Gewalt und Toten sehr real.

Ein paar mehr Hintergründe zu der geschilderten Welt wären sehr interessant gewesen. Die Beschreibung der Natur entfällt weitgehend, nur manchmal wird erwähnt, dass Wald eben überall gleich aussieht. Ich wage zu bezweifeln, dass Wölfe das ebenso sehen würden …

Stellenweise finde ich das Buch ein wenig schwierig zu lesen, weil der Autor wenig Absätze eingefügt hat und die Erzähl-Stränge (welche Figur sagt was) hin und wieder stark miteinander verflochten sind, so dass ich manchmal nicht auf den ersten Blick erkennen konnte, welche Figur was gesagt hat.

Gut gefallen hat mir, dass es endlich mal ein Werwolf-Buch ist, das nicht von den üblichen Klischees lebt und der Autor mit seinem Entwurf der Welt ein paar neue Wege geht.

 

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Meine Bewertung: 2 von 6 Sternen