Buchrezension: Frostbite von David Wellington

„In schätzungsweise einer Stunde geht der Mond auf. Jedes Mal bei Monaufgang verwandele ich mich. In einen Wolf.“ (Chey in David Wellington: Frostbite)

Für die ersten 155 Seiten heißt es: durchhalten und weiter lesen, denn die Geschichte wird besser.

dt. Titel: Frostbite (Amazon Partner-Link)
en. Titel: Frostbite (Amazon Partner-Link)
Autor: David Wellington
Verlag: Piper
erschienen: Oktober 2012
Übersetzung: Andreas Decker
Bewertung: 3 von 5 Sternen

In diesem ersten Teil des Buches werden wir mit der Hauptperson Chey direkt ins eiskalte Wasser eines Sturzbaches geworfen und begleiten ihre Suche nach Wärme und Überleben. Währenddessen erfahren wir als Leser so gut wie nichts über sie. Von einigen nebulösen Andeutungen mal abgesehen. Und diese erweisen sich später oftmals auch noch als falsche Fährte … So etwas mag ich nicht. Wenn ich schon eine solche Leidensgeschichte lese, dann möchte ich wenigstens die Person mögen und am Anfang dieses Buches bietet der Autor uns Lesern dazu leider keine Gründe an.
Dieser erste Teil macht auf mich den Eindruck einer längeren Kurzgeschichte, welche später zu einem Roman ausformuliert wurde.

Mit Beginn des zweiten Teils wird dies alles nachgeholt – wir erfahren, warum Chey in den kalten Norden gereist ist, warum sie darin ihre einzige Chance auf ein Leben sieht und wie sich mit ihrer jüngsten Erfahrung nun alles ändern wird. Ab hier wurde Chey mir dann auch deutlich sympathischer und die bisherigen nebulösen Andeutungen nehmen konkrete Formen an. Klar, das ist Geschmackssache und sollte wahrscheinlich den Spannungsbogen hoch halten. Ich finde nicht, dass diese Art der Erzählung die Geschichte wirklich spannender gemacht hat.

Mit Teil 3 kehren wir zum Ende des ersten Teils zurück und die Geschichte wird fort gesetzt. Nun passiert auch einiges und die Geschichte nimmt Fahrt auf. Es wird gejagt, verraten, getötet und es bahnen sich sogar ein paar zarte Gefühle ihren Weg.

Da der Klappentext es ohnehin schon vornewegnimmt: Chey sucht nach einem bestimmten Werwolf, um Rache für ihren Vater zu nehmen und wird dabei selber infiziert. Hier hätte ich mir mehr Einsichten darin gewünscht, was das für sie (und ihr Innenleben) bedeutet. Stattdessen wird schon fast filmreif beschrieben, was passiert. Es gibt keine wirklichen Überraschungen und auch das Ende ist sehr naheliegend.

Die einzige Überraschung ist ein Pseudo-Indianer, eigenlich eine Nebenfigur, die leider etwas zu kurz kommt und eigentlich eher im Sinne eines „Deus ex machina“ fungiert.
Kaum wird es schwierig oder Chey steckt fest, taucht diese Person auf – nicht sehr einfallsreich, aber ein legitimier Kunstgriff.

Mein Fazit:

Auch wenn das bis jetzt nicht überschwänglich klingt: das Buch ist lesenswert.

Der Autor hat sich mit seiner Art Werwolf etwas einfallen lassen und das sehr durchdacht und zusammen passend.

Obwohl es keine großen Überraschungen gibt, wollte ich wissen, wie es weiter geht und bin dran geblieben. Trotz ein paar Längen ein lesenswertes Buch für einen oder zwei verregnete Tage.